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Shakespeare Allgemein
Shakespeares Einfluß auf die Deutsche Literatur
Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die deutsche Literatur
durch Shakespeare entscheidend und kreativ beeinflusst wurde. Lessing
gehörte zu den Ersten, die darauf hinwiesen, dass sich das
deutsche Drama lieber an Shakespeare als an den Franzosen orientieren
sollte. (Das war gegen 1758)
So richtig in die Gänge kommt alles aber erst durch den Sturm
und Drang und zwar durch Gerstenberg und Herder, die detailiert
auf Shakespeares Genius, als Weltenschöpfer, hinweisen. Das
führt dazu, dass Leute wie Goethe (etwa "Götz von
Berlichingen") und Lenz (Die Soldaten oder Der Hofmeister)
oder Klinger Dramen schreiben, bei denen sie sich an Shakespeare
orientieren. Natürlich ist hier auch Schiller mit den "Räubern"
zu nennen.
Ende des 18. Jh. und Anfang des 19.Jh. befassen sich dann die Romantiker
und auch Goethe und Schiller wieder mit Shakespeare. Dabei entwickeln
gerade die Romantiker ihre Auffassung von Literatur an Shakespeare.
Sie weisen nämlich nach, dass Shakespeare nicht alles Mögliche
nur wild durcheinander geschrieben hat, sondern dass auch Kleinigkeit
zum effekt des Ganzen beitragen.
Man kann getrost sagen, dass die deutsche Literatur seit 1770 durchgehend
von Shakespeare geborgt und sich an ihm orientiert hat. Beispiele:
Büchner, Grabbe...
Ende des 19. Jh. werden auch Motive und Figuren aufgegriffen und
frei bearbeitet. Etwa die "Novelle" von Arno Holz/ Johannes
Schlaf: "Papa Hamlet".
Auch Brecht und Heiner Müller haben Shakespeare natürlich
rezipiert, Bearbeitungen geschrieben... Ein Aufgreifen von Shakespeare-Motiven
findet sich etwa in Müllers "Hamletmaschine".
Duncan, Februar 1998
Ergänzung
Die Bewegung der deutschen Romantiker suchte sich von der klaren
Geistigkeit der deutschen Klassik (Goethe, Schiller, etc.) abzusetzen;
das Dunkle, Gefühlvolle, Gefühlsbestimmte und Unerklärliche
wurde ihr Thema. Der "wilde, regellose" Shakespeare, der
eigentlich so gar nicht dem Ideal des klassischen Maßes entsprach
und im Ambivalent-Unauslotbaren sich bewegte, wurde zum Vorbild
und Muster und zur Projektionsfläche für die Ideale der
deutschen romantischen Dichter. Die Schlegelsche "romantische"
Shakespeare-Übersetzung ist ein wichtiger Meilenstein dieser
Epoche; Shakespeare wurde in gewisser Weise vereinnahmt für
die deutsche Literatur, was so weit führte, daß er im
nationalistischen Überschwang zum "im tiefsten Kern deutschen
Dichter" proklamiert wurde - was selbstverständlich Unsinn
war: es handelt sich dabei um eine Selbstbespiegelung und ein Mißverständnis:
Shakespeares Werke wurden als spontaner Urlaut, als rein intuitives,
emotionales Gebilde ohne ästhetische-intellektuelle Kontrolle
mißverstanden - was eine Sehnsucht der deutschen Ronatik war,
aber mit Shakespeare nicht sehr viel zu tun hatte.
Feste, Dezember 1999
Erste Aufführungen in Deutschland
Die erste ernstzunehmende und erfolgreiche Aufführung von
Shakespeare gab es durch Heufeld ca. 1773 in Wien. Das Stück
war, wen wundert´s "Hamlet". Danch machte Schröder
in Hamburg von sich Reden. Auch er inszenierte "Hamlet"
in verschiedenen Versionen um 1776 rum, andere Stücke folgten.
All diesen Aufführungen war gemeinsam, dass sie Bearbeitungen
waren. "Hamlet" starb z.B. am Ende nicht, die Handlung
wurde gestrafft, etc. Danach kommt es allmählich auch auf anderen
Bühnen zu Inszenierungen, etwa in Bamberg, Weimar, Berlin.
Goethe lässt als Theaterdirektor den Hamlet drei Mal inszenieren:
einmal nach der Wieland-Eschenburgischen Übersetzung, einmal
in Schröders Bearbeitung und einmal in Schlegels Übersetzung.
Auch der "Julius Cäsar" wird nach der Schlegelschen
Übersetzung aufgeführt, so gut wie unverändert. Doch
können sich letztlich nur Bearbeitungen durchsetzen. So ist
z.B. Schillers "Macbeth"-Bearbeitung über zehn Jahre
in Weimar und anderswo erfolgreich. (Schiller macht allerdings z.B.
aus der Pförtnerszene ein Morgenlied, etc.)
Nach 1815 sorgen dann u.a. Devrients Darstellungen von Shakespeareschen
Charakteren in Berlin für Aufsehen.
mpr, November 1999
Literatur:
- 1 Der deutsche Shakespeare : eine annotierte Bibliographie zur
Shakespeare...
/ Blinn, Hansjuergen E. Schmidt 1993
- Shakespeare und das deutsche Theater : eine Dokumentation der
Deutsche...
/ Deutsche Shakespeare-Gesellschaft West Koeln 1964
- Shakespeare und das deutsche Theater : Wanderung und Wandelung
seines...
/ Stahl, Ernst Leopold Kohlhammer 1947
Links:
Shakespeare und sein Einfluß auf Goethe >>> Link
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