Zurück zur Startseite Zurück zur Homepage
Zurück zur Startseite
Shakespeares Biographie
Alle Dramen
Schülerwissen
Die Sonette
Verfilmungen
Fragen & Antworten
Shakespeare in Englisch
Elizabethanisches Zeitalter
Shakespeare im Internet
Gästebuch
Impressum



    

Tipps für Theatermenschen > Inszenierungen

Viel Lärm um Nichts

Viel Lärm um Nichts kippt in der Mitte des Stücks von der Kommödie zur Tragödie und wird erst im Finale wieder zur Kommödie aufgelöst. D.h. zwischen der Hochzeitsszene und Claudios Angriff auf Hero, bis zur Scheinheirat mit der "unbekannten" Nichte, ist es eine opulente Trgödie. Davon lebt das Stück auch und macht ungemein Spaß zu spielen, da jeder der Teilnehmer wirklich aus den vollen Schöpfen kann. Für die Inszenierung bedeutet dies, die Kommödie bis zur Hochzeit zum Höhepunkt zu treiben, die Begnung von Holzapfel/Schlehwein mit Leonato bietet genügend Raum auch für Slapstick, und keine Scheu davor. Denn dadurch wird der Absturz der Charaktere in der Kirche nur noch deutlicher und gibt auch hier wieder Raum für große Gefühle.

Dann gibt es insgesamt drei Handlungsverläufe die miteinander verwoben sind: Beatrice/Benedikt, Holzapfel/Schlehwein und Hero/Claudio. Auf Benedikt und Beatrice liegt klar der Fokus des Publikums, von daher muß geschickt teilweise entgegen inszeniert werden. Da Holzapfel/Schlehwein als "Idioten" eh die Publikumslieblinge werden, muß sich der Rest ganz schön ins Zeug legen. Daher mein Plädoyer für die Möglichkeit der Extreme: je mehr buntes "Urlaubstreiben" in Messina vorher verbreitet wird, und je ernster später die Verleumdung und die Todesdrohungen genommen werden um so spannender ist die Geschichte und Bendikt/Beatrice werden zur perfekten Klammer für das Stück.

Last not least, was vielleicht für Dein jugendlichen Darstellter schwierig wird. Viel Lärm um Nichts geht von klaren Vorgaben aus, die leider heute nicht mehr aktuell ist. Alle befinden sich im Stück auf einer Art "Urlaub", d.h. niemand agiert eigentlich so wie in seinem "normalen" Leben, sprich: der Prinz herrscht nicht, Leonato regiert nicht ... Dennoch gelten die Umgangsformeln für ein offizielles beieinander. Für die Schauspieler bedeutet das, das die Hierarchie und die Machtkämpfe eigentlich nicht vom Charakter gespielt werden, sondern von den anderen: Bsp: der Prinz fordert keine Achtung, er will laisse fair, aber der Rest zollt ihm Achtung. Dies ist aber wichtig, damit die Brisanz klar wird: Pedro ist der Prinz, aber er ist zu Gast bei einem bedeutenden Politiker. Solltest Du den Film im Hintergrund haben ist dies ein Knackpunkt. Leonato ist nicht nur der nette ältliche Gutsbesitzer, er ist die höchste politische Instanz in Messina und Pedor besitzt nur Gastfreundschaft aufgrund der langen Freundschaft. Indem die Tochter des Hauses verleumdet wird, ist Leonatos Rache eine potentielle Gefahr für den Prinzen. Last not least: Alle kommen aus dem Krieg, der zwar gewonnen wurde, aber dies und die Tatsache das sie nun Urlaub in Messina machen, bevor sie zurück nach Spanien gehen (Arragon) ist die klare Voraussetzung. Es treffen sich nicht gelangweilte Adlige zur Sommerfrische in der Toscana !

Nachfrage von Jürgen:

Vielen Dank. Ein paar Lampen sind mir aufgegangen! Besonders die Gewichtungen in der Inszenierungen. Hilfreich!
Ein paar Nachfragen,
1. Die Namen und Beziehungen in dem Stück finde ich verwirrend.
Bei Schlegel-Tieck kommt Claudio aus Florenz, Benedikt aber ist ein Edelmann aus Padua,
bei Erich Fried (die Übersetzung benutzen wir) haben zwar beide den gleichen Adelsstand, sind aber beide aus Florenz.
Dann überhaupt: Was hat Don Pedro - wenn er denn aus Spanien kommt, mit zwei Edelleuten aus Florenz bzw Padua zu schaffen? Und in welchen Krieg zieht ein arragonischer (warum mit zwei rr?) Prinz denn ausgerechnet mit zwei italienischen Edelleuten?
Läßt sich das historisch eingliedern oder ist das schriftstellerische Freiheit?
(Vgl. den Chat über Beatrice: wieso ist sie als Leonatos Nichte nicht zugleich Antonios Tochter. (Übrigens ein zudem ein alter Mann, wie Fried übersetzt!, also ein Großvater, der einmal kurz ausrastet und eher wie Leonatos Anwalt wirkt!!)
Da gibt es noch viele verwandtschaftliche, geographische, soziale usw. Ungereimtheiten - womit ich nicht langweilen will. Ich vermute, daß auch andere Shakespeare-Stücke im Figurentableau und in der historischen Geographie nicht durchzulogisieren wären! (Zugegeben: ich steige gerade mit meinen Schülern überhaupt erst in Shakespeare's Kosmos ein - und finde ihn übrigens ungeheuer spannend!)
Alternativ-These: Dem Shakespeare war eine dramaturgische Figuren-Logik überhaupt völlig wurscht. Auch die Aristotelische Einheit von ...bla, bla. Er arbeitete eher nach den Prinzipien der Soap opera / Commedia dell'arte Jeder Charakter, jedes Gefühl, jeder soziale Stand bekam eine Figur zugewiesen, die beziehungstypisch und namentlich zu ihm paßt. Das Gefüge insgesamt interessierte ihn nur als zeitgenössisch "bekannte" Ansammlung von Individuen, nicht aber als gesellschaftliches Tableau! Der Rest der sozialen Logik fand sozusagen im Publikum statt, das die Figuren wiedererkannte und aus eigener Erfahrung komplettierte - so wie bei den heutigen Soap-Operas.
Mit dieser These geht nämlich plötzlich alles auf: Dann wäre Beatrice nur deshalb seine "Nichte" ( = Tochter auf "Distanz") weil ihr Naturell/ ihr Charakter nicht dem Leonatos entsprungen sein kann. Zum gemütlichen Leonato paßt eher die "leichte" Hero. Dann sind auch Don Juans ("Bastard") relativ kurze Auftritte zu erklären. Denn Shakespeare braucht in ihm nur eine handelnde Intrigenfigur von "weit weg" mit Namen und Adresse (in den schlechten Kalte-Krieg-Filmen sinds die bösen Russen, die unser westliches Herz erwärmten oder so!) Und dann kommen die beiden Edelleute eben nur deshalb aus "Florenz", weil Florenz mit den Medici usw eine stark frühbürgerliche Tradition hat. (Padua ist auch gut: hier war eine der frühesten Universitäten = Gelehrten-Stadt!!) Also aus Shakespeare-Sicht eine "Image"-Sache. Und Don Pedro muß aus Spanien kommen, weil sein böser Halbbruder (dramaturgisch noch wichtiger) ja eben von "weit weg" kommen muß ( So wie heute der Nachweis jeder unbewiesenen Erkenntnis imagemäßig aus Amerika kommen muß: "Amerikanische Wissenschaftler haben nachgewiesen, daß..." - das reicht zur Einsicht!
Dann aber darf man auch die ganzen "Nebenfiguren" eigentlich nicht streichen, wie auf dieser Seite jemand vorschlug. Denn Antonios Aggression zum Schluß ist das Alter Ego von Leonato. Fast jede Figur hat nämlich ihr (meist kleineres) Alter ego personifiziert zur Seite in irgendeiner verwandschaftlichen Beziehung! Und ihr charakterliches Pendant in einer "gleichgroßen" Figur "gegenüber". Noch genauer: die eine "Figurenhälfte" ist meistens rational, die andere eher betont individuell-gefühlsmäßig ( und gewinnt meistens!) Das wäre durchaus im Zeitgeist der englisch eher aufklärerischen Frührenaissance. Vereinigt man die Figuren - würde schnell eine gesamtbürgerliche Moliére-Figur mit Licht und Schatten draus und mit viel Moral am Schluß, weil ja ein Charakterzug jeweils dann aus gesellschaftlichen Gründen - wie später beim langweiligen Schiller - gewinnen müßte! So aber wird Don Juan eben nur kurz verhaftet - zack= Problem erledigt, und ein einigermaßen schlüssiger Schluß daraus. Deshalb auch wirken die Shakespeare-Figuren so statisch und noch ohne jede dramaturgische Entwicklung ( und deshalb im Komischen tragisch und umgekehrt!). Sie sind am Eingang des Stückes böse /lieb / romantisch usw. und bleiben es auch so.
(Das macht übrigens auch den neueren Shakespeare-Run bei den soap-geschulten Bildungs-Jugendlichen erklärbar. In Hamburgs "Schlachten"-Spektakel hat der Perceval dieses Spiegel/Spaltprinzip der Shakespearschen Dramaturgie auch noch auf die Wahnsinns-Spitze getrieben: Er hat das Figurisieren auf die Königsdramen selbst übertragen. Kaum gewinnt der eine Heinrich auf perverse Weise die Macht, verliert er sie an den nächsten, schon wartenden Richard: Im Publikum sitzen überwiegend - es ist wirklich sensationell - soviel elektrisierte Jugendliche wie noch nie und tun sich satte 12 Stunden Bilder-Ästhetisierung von sprachlichen Machtkämpfen an!
Wenn diese Eingangs-These aber richtig ist - nicht die Figuren haben Charakter und Gefühle, sondern jeder Charakter und jedes Gefühl wird einzeln "figurisiert"- dann wäre der "Urlaub in Messina", von dem du sprachst, und in dem die Personen als hierarchische behandelt werden, aber eigentlich doch nur "Urlaub" machen, nur ein Trick von Shakespeare: ein künstlich geschaffener Zeitraum, in dem er Gefühle und Haltungen in Figurenform vorführt ( "vorführt" im doppelten Sinne - wie in einem lustigen Agatha-Christie-Krimi: einer von den Zwölfen wars.) Und diese Grunddramaturgie macht den Shakespeare dann doch auch leicht modernisierbar - oder? Siehe Romeo-und-Julia-Verfilmung usw.
(‚n bißchen lang - , aber ich finde es halt spannend!!) (Und viele angesprochene Fragen kommen von den Kiddis - meine Anworten sind meist - noch - dürftig!!
Wo übrigens findet der sommerliche Open-air-Shakespeare statt? Wenns nicht zu weit ist, - .....

Antwort:


Nochmal zu Beatrice: Wie ich schon gesagt habe, Antonio ist sowohl beim Heiratsantrg von Pedro auf der Bühne, als auch in den Hochzeitsszenen, wo sowohl die fremde "Nichte" Claudio heiratet als auch später Benedikt um Beatrice anhält. Der auf Form und alles bedachte Shakespeare läßt aber niemanden das Wort an Antonio ergreifen. Last not least: "Denn sie allein ist unser beider Erbin" - aber Beatrice müßte als Schwester dann auch Erbin sein ! Deine Theorie das sie nicht zu Leonato passt, stimmt, von daher kannst Du es jetzt noch weiter fortführen, indem Beatrice aus einem unbekannten Teil der Verwandtschaft stammt. So stimmt dann auch Dein Ansatz wieder: Beatrice ist so fremd wie nur irgendwie möglich, hat aber ihre Berechtigung bei leonato seit Jahren zu sein, ohne das man sich was böses denkt.

Zu Padua/Florenz: Glückwunsch, da schwimmt ne Menge mit bei den zukündtigen Helden und Adligen des neuen Zeitalters. Benedikt von Padua ist natürlich ein nettes Wortspiel (bezieht sich auf die katholische Kirche: das Mönchtstum, da Benedikt nie heiraten will). Außerdem stehen Benedikt und Claudio für zwei unterschiedliche Typen, daher kommen sie auch aus zwei Städten.

Arragon/Messina: Genau weis ich es jetzt auch nicht, wir haben es damals einfach akzeptiert. Denkbar ist jedoch das Messina Spanisch/Arragonische Provinz war, zumal Spanien erst kurz in der Weltgeschichte vereint war (Arragon und Kastilien). Es gibt sicherlich einen konkreten Anhaltspunkt, zumal Shakespeare relativ gut recherchierte, da er in engem Kontakt zur italienischen Intelligenzia in London hatte. Der Sekretär vom Earl of Southhampton (Shakespeares schwuler Verehrer und Mäzen) hatte ihn eingeführt und er hatte ein Verhältnis mit einer bekannten Dame ... Daher auch die vielen Einflüsse der Commedia dell´Arte - Shakespeare konnte aus den Informationen aus erster Hand schöpfen.

Dennoch Shakespeare geht immer sehr frei mit seinen Anspielungen im Stück um. Er benutzt sie nur um Emotionen/Bilder beim Publikum zu wecken, die das Geschehen aktualisieren/politisieren können, bzw. das das elisabethanische Theater ohne Bühnenbiild arbeitete, sind Szenen einfacher die mit einem Schlüßelwort zu umschreiben sind. Daher auch die Möglichkeit der Verknüpfung zu Spanien, den "lächerlichen" katholischen Feinden des anglikanischen Englands. Don John ist somit doppelter Schurke! Dennoch müssen Messina und Arragon in Zusammenhang gestanden haben, denn sonst hätte jeder den Fehler gemerkt.

Übrigens Shakespeare hält sich immer an die Einheit von Raum, Zeit und Person. Daher läßt er zum Beispiel im Wintermärchen die "Zeit" auftreten und sich entschuldigen, bei Perikles entschuldigt sich Gower für die großen Zeitsprünge. Er hält sich zwar nicht sklavisch daran wie seine Zeitgenossen, aber er gibt gerade in Viel Lärm um Nichts, sehr genaue Zeit- und Ortsangaben vor, die stimmig sind (Dauer des Aufenthalts, Zeitpunkt der Hochzeit, etc.).

Nun zur Sache mit den Nebenfiguren: Sicherlich nimmt man dem Stück Farbe wenn man sie streicht, aber Leonato/Antonio sind sich gleich und die Aussage das Antonio älter sei, ist unbegründet, es wird meist so gedeutet, es gibt aber keinen Anhaltspunkt dafür. Shakespeare läßt Antonio ausrasten, da es Leonato nicht erlaubt wäre den Prinzen zu beleidigen, Leonato ist eben sehr korrekt, daher läßt Shakespeare Antonio sprechen, der nicht Gouverneur ist. Zu Lebzeiten Wills im Theater einen Gouvernuer auf einen Prinzen loszuhetzen, wäre nicht durch die Zensur gegangen, Richard I. hatte ihn schon genug Schwierigkeiten bereitet. Heute zählt dieses Argument nicht mehr. Daher mein Plädyoer Antonio/Leonato als eine Figur zu betrachten.

Deine These das alle Charaktere als Typen für etwas stehen stimmt Die Zweiteilung der Tyoen geht sichelrich auf und ist vorallem interessant, aber ich denke auch dies kann kein Dogma sein, ebensowenig wie meine bescheidenen Theorien.

Dennoch macht jeder Charakter eine Wandlung durch ,obgleich dies eine sehr einfache ist. Zugegeben, der Schluß ist wie immer eigentlich Stümperhaft und macht einfach nur Probleme, ein Happyend muß her, denn es muß als Kommödie gefallen und so wird es gerade noch zurechtgebogen. So sieht das Finale aus, als wäre nie etwas geschehen. Selbst über Pedro/John erfährt man nichts - er wird später verhört, erst will man feiern. Der Bruderzwist bleibt wie immer ein großes Rätsel. Ich denke auch hier liegt der Schlüßel im künstlich geschaffenen Feiraum des "Urlaubs", es wird nicht darüber gesprochen, aber es wird sicherlich am Verhältnis aller untereinander deutlich. Dann bekommt der Ruf nach dem Tanz auch wieder ein psycholgische Bedeutung, bevor alle gezwungen sind, sich zu entschuldigen, oder zu bereuen, oder alles aufzuklären und sich selbst zu hinterfragen, kehrt man alles unter den Teppich und feiert und versucht es zu vergessen. Wenn Hero anfängt Claudio zu hinterfragen, Pedro Leonato und ungekehrt, muß es im desaster enden. Shakespeare hat dies später dann in Hamlet aufgezeigt, wozu es führt. Der Schluß ist somit ähnlich wie bei Was Ihr Wollt, Verlorene Liebesmüh und Wie es Euch gefällt, alle sind in die Ecke gedrängt und der Ruf nach einer Feier löst die Probleme. Im Sturm ist es genauso, nichts wird aufgeklärt, man geht in Prosperos Klause um zu erzählen und segelt am nächsten Tag davon.
Dies Art der Problemlösung ist aber erschreckend menschlich und aktuell, heute wie damals, erst die Deutschen Klassiker begannen damit ein Stück logisch enden zu lassen, meist ohne Happy End. Der Verdacht einer Seifenoper liegt nahe, daher auch die Begeisterung aller. Spätesens wenn Du Dir das Publikum anschaust, wie es auf die Tragödienteile reagiert und wie begierig es ist die Komiker zu sehen und am Ende fröhlich dem Happy End applaudiert, wird es deutlich.

Ein Freund von mir, fand diesbezüglich für Was Ihr Wollt eine wunderbare Lösung. Er ließ das Stück enden in einer netten Feier mit Doppelhochzeit und allem, auch Malvolio durfte kurz die Stimmung verderben, aber dann wurde weitergefeiert. Aber: er ließ es damit enden, das Malvolio sich im Schnürboden erhängte, und die Beine seiner Leiche in den gelben Strümpfen hing über der Party die somit abrupt endete und der Vorhang fiel - ein rießeiger Schock fürs Publikum und für einige Wochen Theaterskandal in einer Kleinstadt!
Shakespeare ist eben genial.

Last not least, wir spielen unsere Produktion im Sommer im Rhein/Main Gebiet. Premiere ist in Mainz und dann geht es über die Weingüter, Burgruinen und Marktplätze. Immer ohne Bühnenbild. ohne großen technischen Aufwand. Licht damit´s hell wird und fertig. Nächstes Jahr gibts Romeo und Julia (oh Gott und alle kennen den Film und wollen De Caprio), Premiere hoffentlich am 01.06.2000, gespielt wird voraussichtlich bis 03.09.2000. Die Gruppe heißt übrigens "ZETTEL Theater" - nach dem Liebling des Somemernachtstraums, und weil Theater immer eine Menge Papier und Zettel mit Ideen bedeutet und weil man sich gnadenlos immer wieder in Shakespeares Kosmos verzettelt.
Nomen est Omen.

Wo spielt ihr ? - und seit ihr eine Schule, eine Schauspielschule und ein Haufen absolut verrückter die gerade von Shaekspeare infiziert werden. Vorsicht dabei, es gibt nur eine Art Shakespeare zu spielen und zu inszinieren: Alle oder keiner! Un drei Tage nach Premiere hat man das Gefühl das man jetzt erst weis, was man inszenieren wollte und will sofort alles nochmal machen.

Reply von Jürgen

Sehr einleuchtende Hinweise! Besonders die Idee mit Juans baumelnden gelben Hosen am Schluß. Da wären ja viele szenische Varianten denkbar. Mir ist überhaupt jetzt klar geworden, daß Handlung und szenische Gesten hilfsweise hinzugedacht oder ggfs. hinzuinszeniert werden müssen, damit die Shakespearesche Sprache zu Theaterfleisch wird und nicht bloß burlesk oder romantisch oder heroisch aufgesagtes Gedicht oder umständliche Prosa. Her mit noch mehr Inszenierungs-Tips dieser Art, die nicht direkt am Text entlanggehen!! Damit wir das Stück über die Rampe kriegen - direkt in aktuelle Gefühlslagen!
Der andere Diskussionsstrang "Benedikt von Padua" usw. hat mir noch mehr Kerzen angezündet, das ist natürlich sehr wichtig für die szenischen Möglichkeiten der Figurenanlage: der eher intellektuelle, aber auch verklemmte Benedikt aus Padua gegen/mit dem leicht machohaften, aber auch sehr lyrisch-direkten Claudio aus Florenz. Da muß bei Shakespeare offenbar viel Historie mitgedacht werden, ohne später die Inszenierung damit zu belasten, oder?
Ich glaube, wir kommen nicht umhin, uns doch ein bißchen mit den Hintergünden Europ.Katholizismus - engl.protest. Insellage / überhaupt europ.-politische Geschichte im 16. Jh / Renaissance-Begriff / Wirtschaftsgeschichte uswusw zu beschäftigen. Gibt es hierfür in Euren "Kreisen" zusammengefaßtes Material, das direkt auf das Verstehen des Shakespeareschen Theaters zielt?
Ganz in mein Herz traf die dramaturgische Rolle der Musik/des Tanzes in dem Stück: Zunächst mal Bühnenmusik, aber Musik auch einsetzbar wie ein filmisches Mittel, um bspsweise die Szenen auf dem Maskenball zu "schneiden", zudem Klanghintergrund oder auch Leitmotiv der kommunikativen Unfähigkeit der Personen usw. Tolle Möglichkeiten sehe ich da!!
Eine andere Frage noch nach den Übersetzungen. Wir haben die Friedsche Fassung auf Empfehlung genommen. Wo sind prinzipiell die Unterschiede zwischen Schlegel, Baudissin und Fried? Bzw., gibt es noch andere, die man heranziehen könnte? Ein paar Stichworte wären hilfreich!
Ach so - wer wir sind! Schlichtes Schultheater im Hamburger Norden ( in Hamburg ist Darstellendes Spiel ja allgemeines Schulfach!), aber mit teilweise süchtiger Tendenz, alles andere ( bzw. mehr) als nur ein Schulfach zu sein!
Zunächst mal herzlichen Dank & Gruß
Jürgen

Antwort:

Hallo Jürgen,

zunächst mal zu den Übersetzungen: Fried ist immer gut, da er wunderbar modern ist und sich vorallem viel Mühe gegeben hat auch die Wirtspiele und den Wortrhythmus bei zubehalten. Baudussin ist immer eine gute Fundgrube, ist aber niemals als Textgrundlage geeignet. Er verschweigt durchgehend die "rüden/schmutzigen" Stellen (ebenso wie Wieland) - Baudussin ist aber teilweise ein guter Dichter und manchmal passieren ihm auch Wortspiele bei seinen freien Übersetzungen die an Schweinereien ohne gleichen sind. Du kannst Baudussin und Wieland aber gerne außer acht lassen, ist eher was zur persönlichen Unterhaltung.
Schlegel-Tieck ist natürlich der Klassiker und vorallem alle bekannten Zitate sind von den beiden, sodaß ein hoher Wiedererkennungswert beim Publikum ist, von denen sehr viele immer wieder ihre Lieblingszitate haben. Die Übersetzungen sind durchweg sehr, sehr gut, obgleich für die heutige Jugend etwas schwierig und altertümlich. Man sollte aber immer Schlegel-Tieck mit den neuen Übersetzungen vergleichen. Leider fehlen meistens Passagen bei Schlegel-Tieck, von daher kann man sie leider auch nicht allein nehmen.
Last not least. es gibt zur Zeit bei dtv eine neue Übersetzungsreihe von Frank Günther. Noch nicht alle, aber zum Glück auch Viel Lärm und ich finde ihn teilweise besser als Fried. Reinschauen lohnt sich, zumal er gute Sekundärliteratur bereithält.

Ansonsten bin ich ja höchst zufrieden. Soviel Lob, meiner Treu !!!! Dein Benedikt/Claudio Ansatz finde ich gut. Zum Thema Musik: Wir setzen bei unseren Stückem immer Musik ein und bei Viel Lärm kam unsere Regisseurin auf eine ganz tolle Idee: Der komplette Ball ar durchchoreographiert als Menuett, zudem wir selber singen mußte (hatten noch keine Kohle für Musiker), wie es sich gehört natürlich 4-Stimmig. Einziges Manko, wir könnten natürlich nicht "in Stimmen" stehen, da wir ja a) tanzten und somit die Positionen dauernd wechselten und b) wir ja auch noch Text hatten. Daes Ergebnis war berauschend und alptraumhaft zugleich. Keiner konnte die Stimmen halten, spätestens sobald wir begannen den Text drüber zu sprechen herrschte Funkstille im Ensemble (ein paar zaghadte propierten tapfer weiter zu singen), ohne Musik waren alle nach und nach aus dem Takt und wir retteten uns jedesmal indem irgendeiner laut anfing irgendwas zu singen und der Rest verzweifelt mithielt (manchmal habe ich als Bass dann leider auch Sopran gesungen!). Zu allem Unglück hatten wir auch noch Masken auf und äußert dämliche Ballkostüme. Du siehst der inszenatorischen Freiheit ist genügend Raum gegeben, das Publikum wird dich dafür lieben, die Schauspieler dafür hassen. Ich finde sowas muß bei jeder Inszenierung einfach dabei sein !!!

Zum Them Geschichte. Es gibt bestimmt ein Standardwerk, aber ich habe keins. Meine Infos habe ich mir bisher immer aus den Biographien über Heinrich VIII und Elisabeth I/Maria Stuart geholt. Macht Sinn, weil Heinrich dafür verantwortlich war und das ganze Thema wird mit netten Anekdoten und spannenden Szenarien vorgesetzt. Auf jedenfall interessanter als ein Ausflug in die Kirchengeschichte und man entdeckt immer wieder aufs neue nette Parrallelen zu Shakespeare.

Wann habt ihr denn Preniere ? Da ich in Berlin wohne, ist Hamburg ja nicht so weit.

Bis denne,
Andreas

Tipps von Andreas, 20.11.1999


 

0900 0800 0137

 

© 1997 - 2007 Andriz. Keine Vervielfältigung ohne erfolgte Genehmigung von Andriz oder den jeweiligen Autoren.