Re: Macbeth: Tyrant or tragic hero?


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Geschrieben von Andreas am 18. Oktober 2000 14:26:11:

Als Antwort auf: Macbeth: Tyrant or tragic hero? geschrieben von Tanja am 17. Oktober 2000 22:09:19:

Hallo Tanja,

tja mit Macbeth ist das so eine Sache. Die geschichtliche Vorlage ist einfacher gestrickt als die literarische. Der historische Macbeth ururpierte sich zwar an die Macht, unter seiner Herrschaft herrschte jedoch Frieden und relativer Wohlstand, sodaß er seinerzeit sehr beliebt war, sozusagen das beste was Schottland damals passieren konnte.

Im Drama wird er vielschichtiger gezeigt. Meine Meinung geht eher dahin ihn als tragischen Helden einzuordnen:

Zu Beginn wird er als Schottlandes Held auf dem Schlachtfeld gezeigt. Eine eindeutige positive Figur also, ein ganz normaler Theaterheld.

Als Neffe Duncans hat er Anspruch auf den Thron. Duncan ernennt aber seinen noch minderjährigen Sohn Malcolm zu seinem Nachfolger - quasi noch auf dem Schalchtfeld. Dem "Helden Macbeth" wird also Unrecht getan, laut shottischem Recht wäre er König, sollte Duncan sterben ...

Jetzt beginnt der Einfluß der Hexenprophezeihung, welche er bisher als Humbug auffasste.

Dennoch hat der Held zunächst Zweifel, welche er seiner Frau mitteilt. Beide ringen nun mit ihrem Gewissen. Kommen schließlich zum Ergebnis, den König zu töten, dies aber mit Angst und Schrecken.

Der Königsmord ist zwar das größte Verbrechen das sie begehen können, es wirkt aber gerechtfertigt durch die große Ungerechtigkeit die macbeth erfahren musste.

Bis dato ist es also der klassische Held, von Zweifel geplagt, der das Böse sucht um sich zu rechen, wohl wissend das er das böse tut. Es muß noch kein schreckliches Ende nehmen.

Dann folgen aber die unterschiedlichen Entwicklungen nach dem Mord. Lady macbeth scheint mit ihrer Königinnenwürde zufrieden zu sein und versucht in absoluter Normalität zu regieren und zu repräsentieren. Allerdings wird sie von Wahnvorstellungen geplagt, das schlechte Gewissen läßt sie nicht ruhen. Sie, die anfangs scheinbar gewissenlos, selbstsüchtig und herrschsüchtig gezeichnet wird, wird das Opfer ihres Schuldwahns.

Macbeth, der zögernde, lange mit sich und seinem Gewissen ringende, beginnt jedoch die Vorteile seiner absolutistischen macht auszukosten. Es folgt der Mord an seinem einzigen und besten Freund Banqo, die Ermordung seiner Widersacher, eine tyranische Herrschaft. Mit der Ermordung Banqos ist vom tragischen Helden nichts mehr zu erkennen, er wird zum Tyrannen: Machtbessesen, überheblich, die Realität nicht anerkennend.

Dennoch denke ich, ist es eher ein Beispielstück über die Folgen einer Tat, die zwar begründet scheint, aber unterschiedliche Auswirkungen auf alle beteiligte hat. Hauptkern ist sicherlich dabei die Monologe von Macbeth und seiner Lady (die überaus vielen "asides" zu Beginn), diese inneren Dispute zwischen dem Menschen und seinem Gewissen.

Die hexen dienen sozusagen nur als Brennglas, als Katalysator um all dies zu beschleunigen, denn eigentlich greifen sie nicht in die Handlung ein. Sie werden anfangs von macbeth überrascht, später von ihm direkt gesucht, und scheinabr immer dazu gezwungen ihm ihre Orakel mitzuteilen. Sicherlich die hexen tuen alles um zur rechten Zeit zur Stelle zu sein, sie können aber anscheinend nicht direkt eingreifen. Daher auch der Streit ob es Hexen sind, Nornen, oder Luftgeister.

Sieht man die Hexen als handelnde Personen, die in das Geschehen direkt eingreifen um ihr eigenes Ziel zu verfolgen (also wirkliche Hexen, keine Nornen oder Luftgeister), dann kann man Macbeth auch nicht als Tyrann bezeichnen, da ihm die Möglichkeit der freien selbständigen und somit selbst zu verantwortenden Handlung fehlt. Dann bleibt der tragische Mensch, nicht einmal mehr der Held, der unter magischen Einfluß sich und sein Umfeld ins Umglück stürzt - dann würden aber auch die Dialoge der Gewissen entfallen.

Liebe Grüße,

Andreas




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