Re: Macbeth: Tyrant or tragic hero?
[ http://william-shakespeare.de - Das Forum ] Geschrieben von Andreas am 20. Oktober 2000 16:08:30:
Als Antwort auf: Re: Macbeth: Tyrant or tragic hero? geschrieben von Hilal am 18. Oktober 2000 16:58:34:
Hallo Hilal,
der Beweis für Malcolms Minderjährigkeit wird nicht im Stück erbracht. Ich beziehe mich dabei auf die Aussagen bei Holingshead Chronicle of the Kings form England and Scotland. Einen definitiven Beweis gibt es allerdings nicht. Das Malcolm in der Thronfolge als erstes steht ist dennoch nicht hundertprozentig klar. Nach damaligen schottischen Recht (wir befinden uns um 1100 !), konnte kein Minderjähriger König werden. Die Clans und die Eingigung Schottlands war noch nicht abgeschloßen, wir dürfen uns das Königreich nicht als Einheit vorstellen. Die Highlands und Lowlands/Border Regions suchten immer nach einem Anschluß an England oder Irland, bzw. ihrer Unabhängikeit(denke an die lange Verräterpassage des Than von Clamis - einen Highlandfürsten), gleichzeitig hatte Dänemark und Norwegen ebenfalls Anspruch auf die Herrschaft in England (Tipp. die schottischen und dänischen Könige wurden bis ins 14Jhd hinein auf der selben Insel im selben Grabhügel beigesetzt, auf Iona). Der schottische König musste dementsprechend auch Kriegsherr sein, oder besser gesagt: vorallem, ein minderjähriger König, als Marionette auf dem Thron war nicht vorstellbar und somit von der Thronfolge zunächst ausgeschloßen. Erst mit der Volljährigkeit wurden die leigitimen Söhne des Königs in die Thronfolge aufgenommen. Daher die Brisanz gegenüber Macbeth. Macbeth hat sich gerade in der Schlacht gegen Norwegen als Held auf dem Schlachtfeld erwiesen, das schottische Heer ist auf seiner Seite. Quasi noch auf dem Schlachtfeld wird Macbeth dafür kurz gedankt und im selben Atemzug der minderjährige Königssohn Malcolm zum Kronprinzen ausgerufen (ein Affront gegen Macbeth, die Soldaten und gegen das geltende schottische Recht).
Duncan wird eindeutig als alter, weiser, greiser König beschrieben, sicherlich ein hervorragender König den Macbeth auch ausdrücklich liebt, aber dieser gerechte König scheint hier Unrecht zu tun (auch wenn es eher Weitsicht ist, die Thronfolge so schnell wie möglich zu regeln und Malcolm sicherlich dazu geeignet war. Shakespeare dramatisiert dies radikal da er die Szene direkt in Anschluß an die Schlacht setzt. Für uns heute ist dieses procedere unbekannt, daher fehlt uns die Brisanz. Für Macbeths und Lady Macbeths Rachegefühl ist dies jedoch eine Art Berechtigung. Sie bekommen dadurch unsere Sympathie, und gleichzeitig wissen wir das Duncan ein gerechter König ist, und kein Tyrann oder ein unfähiger König wie z.Bsp. Richard II. Wir befinden uns also im selben Dilemma wie Macbeth und seine Lady, es gibt keinen ausreichenden Grund für einen Königsmord - der größten und folgeschwersten Sünde der damaligen Zeit. Gleichzeitig tut Shakespeare alles um den Glanz von Duncan und Malcolm zu unterschreiten. Duncan fordert von Macbeth Gastfreundschaft auf dem Feldrückzug (Macbeth hat aber keine Gelegenheit Haus und Hof darauf vorzubreiten, ja er muss sogar mit dem König nach Hause ziehen, um dann mit ihm wieder weiter zum Königshof zu ziehen, da erst dort das Heer aufgelöst werden darf - ein harter Vorschlag, er darf seine Frau kurz sehen, muß aber gleich wieder weg). Gleichzeitig werden Duncans Söhne als Feiglinge gezeigt die nach dem Tode des Vaters fliehen - und zwar zu den Erzfeinden Schottlands nach Irland und England. Malcolm plant in seinem Exil auch keinen Umsturz in Schottland, dies geschieht erst, nachdem der enttäuschte schottische Adel (allen voran Lenox)sich auf die Suche nach einem neuem König macht und zunächst die legitimen Söhne aufsucht. Doch es ist Macduff der den Tyrann Macbeth erschlägt und es ist er auf den die Hexenprophezeihung zutrifft.
Pikanterweise erfährt er das selbe Schicksal wie Macbeth. macduff verliert Frau und Sohn, Hab und Gut, er ist es der die Schlacht gegen Macbeth führt und den Tyrannen schließlich tötet. Aber, auch ihm wird nur kurz gedankt und Malcolm wird König ! Auch hier folgt die "Krönung" nioch auf dem blutverschmierten Schlachtfeld und Macduff hat alles verloren. Hier schließt sich der Kreis - und man braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen was passieren könnte, würden die Hexen nun zu Macduff sprechen.Diese Tragik, ist es die mich fasziniert und Macbeht zu einem der wunderschönsten Dramen Shakespeares macht.
Liebe Grüße,
Andreas