Re: Macbeth: Tyrant or tragic hero?
[ http://william-shakespeare.de - Das Forum ] Geschrieben von Axel Wesselhoeft am 01. Dezember 2000 19:00:53:
Als Antwort auf: Re: Macbeth: Tyrant or tragic hero? geschrieben von Andreas am 20. Oktober 2000 16:08:30:
> Nach damaligen schottischen Recht (wir befinden uns um 1100 !), konnte kein Minderjähriger König werden.
vorallem, ein minderjähriger König, als Marionette auf dem Thron war nicht vorstellbar und somit von der Thronfolge zunächst ausgeschloßen. Erst mit der Volljährigkeit wurden die leigitimen Söhne des Königs in die Thronfolge aufgenommen. Daher die Brisanz gegenüber Macbeth. Macbeth hat sich gerade in der Schlacht gegen Norwegen als Held auf dem Schlachtfeld erwiesen, das schottische Heer ist auf seiner Seite. Quasi noch auf dem Schlachtfeld wird Macbeth dafür kurz gedankt und im selben Atemzug der minderjährige Königssohn Malcolm zum Kronprinzen ausgerufen (ein Affront gegen Macbeth, die Soldaten und gegen das geltende schottische Recht).
Hallo Andreas,um es vorwegzunehmen: die Dramatik der Tatsache, daß Duncan seinen Sohn
zum Thronfolger ausruft habe ich vor Deinen nie gesehen.
Allerdings frage ich mich, inwieweit das eine Interpretation und weniger eine Tatsache ist.
Meine Auffassung (und die ist definitiv subjektiv und ggf. unvollständig):
1. Malcolm ist nicht minderjährig, seine Ernennung zum Prinzen von Cumberland kommt nicht überraschend
2. Macbeth kann keinen Anspruch oder ähnliches aus seiner "Vetternschaft"
zu Duncan herleiten- irgendwie Vettern nennen die sich alle im Stück, m.E. eher ein Ausdruck entfernter Verwandtschaft der schottischen Adligen
3. Macbeth Verdienste als Heerführer werden ausreichend gewürdigt, indem er Than von Cawdor wirdmeine Vermutungen stütze ich aus dem Text wie folgt:
I.,5. " der muß, sonst fall ich ... schau meine schwarzen, tiefen Wünsche nicht.."
---> Macbeth weiß, daß die von der Weissagung geweckten Begehrlichkeiten seinerseits zu Unrecht bestehen, beruft sich nicht auf irgendeinen Anspruch, sei es aus Schlachtverdiensten oder Verwandtschaft, nichts deutet darauf hin, daß er sich ungerecht behandelt fühlt
I.,7. "wir wolln nicht weiter gehn... er hat mich jüngst belohnt, und goldne Achtung...will getragen sein"
keiner der Handelnden zweifelt die Anrechte Malcolms je im Text an,
als die Söhne für Duncans Mörder gehalten werden und geflohen sind, ist klar, daß es keine dynastische Nachfolge geben kann
III.,1. "so wird die Königswürde wohl an Macbeth fallen ?"
fragt Rosse Macduff, eine überflüssige Frage, wäre das familiär bedingt klar.Die Frage ist m.E. nicht unwesentlich, da eine ungerechte Übergehung Macbeth´seine Handlung in ein anderes Licht rücken würde.
Von daher fand ich Deine Ansätze interessant, sehe die Sache aber anders.
Gruß,
Axel