Re: Erich Fried Übersetzungen
[ Das deutsche William Shakespeare Forum ] Geschrieben von Jürgen M. Brandtner am 27. März 2000 08:23:56:
Als Antwort auf: Re: Erich Fried Übersetzungen geschrieben von Konstantin am 27. März 2000 01:05:08:
>ansonsten finde ich die fried-übersetzung mal mehr, mal weniger gut ... fried übersetzungen sind für uns "heutige" auf jeden fall in vielen dingen "verständlicher" zu lesen, als der doch in vieler hinsicht romantisch überfrachtete schlegel/tieck-kram ... abschließend möchte ich anfügen, daß es auch sehr stark vom stück abhängt, welche übersetzung mir besser gefällt.
Diesen Statements kann ich mich nur anschließen.
Fried hat - im Ganzen gesehen - hervorragende Arbeit geleistet, vorallem wenn man es aus der Blickrichtung 'Shakespeare-Texte = Literatur' betrachtet, denn er hat sprachlich wirklich (so weit ich dies beim Vergleichen, Parallellesen etc. beurteilen kann) wunderbar gearbeitet - und ist oft sehr nah am Original.
Betrachtet man die Sache aus der Blickrichtung 'Shakespeare-Texte = Theater' würde ich Brasch jedoch den Vorzug geben. Er hat zwar bearbeitet, sich damit vom Original weiter entfernt als Fried, aber für die Bühne sind seine Übersetzungen einfach sehr sehr gut.
Und gerade was z.B. Romeo und Julia angeht ist Brasch durch die sich entfernende Bearbeitung des Textes für mein (und nicht nur für mein) Empfinden so unglaublich nahe an Shakespeare herangekommen, wie es sonst keine Übersetzung ins Deutsche geschafft hat.
Und ausgehend von diesem Stück zeigt sich auch, wo bei Fried Stärken und Schwächen liegen. Bei den (Königs-)Dramen ist er hervorragend, bei den Komödien, vorallem den mit Frivolitäten gespickten, blieb er zu akademisch, zu verkopft. Der Bauch fehlt.
Soweit eine weitere Meinung.