Re: Hamlet
[ http://william-shakespeare.de - Das Forum ] Geschrieben von Chaoshexe am 22. Januar 2001 19:16:29:
Als Antwort auf: Hamlet geschrieben von Stefan Oehl am 22. Januar 2001 17:31:24:
>Könnt ihr mir zu dem Ausspruch "Sein oder nicht sein" eine Interpretation geben oder Hilfe leisten?!!!
o.k. aber nur DAS EINE Mal
___________________________________________________________________________"Sein oder Nicht sein" - an diese stelle denken die meisten, wenn sie etwas von Shakespeare oder Hamlet hören. Das wohl berühmteste Zitat aus dem Hamlet-Monolog.
Seine stellung im Stück ist vor dem Schauspiel. Hamlet versucht nocheinmal seine Situation zu überdenken.
Dabei scheint Hamlet von einem Extrem ins andere zu fallen:
Nachdem er sein Gefühl als Grundlage einer Entscheidung erwogen hat, stellt sein verstand sofort die frage, ob das Leben dann noch einen Wert habe. Der selbstmord scheint Hamlet so verlockend, aber im Endeffekt nur Alternative zum Mord aus reinem Gefühl heraus.
Schon in der 2. Szene des I. Aktes spielte Hamlet mit Selbstmordgedanken ("Oh schmölze doch dies allzufeste Fleisch...".
Hier schien es aber nur die augenblickliche Verzweiflung zu sein, gegen die Hamlet aber sofort das Gebot Gottes, welches Selbstmord verbietet setzt.
Im Monolog aber scheint ihn dieses Gebot nicht mehr zu interessieren.Als nächstes stellt sich Hamlet die Frage nach dem "Etwas nach dem Tod". ("... Was in dem schlaf für Träume kommen mögen, ...)
Dann zieht er eine schlußfolgerung, die etwas eigentümlich erscheint:
"So macht gewissen Feige aus uns allen;..."
Hamlet sagt erst," daß die Furcht vor etwas nach dem Tod" einen vom Selbstmord abhält, dann schlußfolgert er daraus, daß "Gewissen Feige aus uns allen" macht.
(Im Original: "Thus conscience does make cowards of us all...")
Auch wenn man für "thus conscience" die Übersetzung "Bewußtsein" nimmt, erkennt man am nachfolgenden Text, daß Hamlet einen Gedankensprung gemacht hat. Seiner Meinung nach hindert den Menschen die Angst, das Nichwissen, was nach dem Tod kommt daran, Selbstmord zu begehen. Er schlußfolgert, daß Bewußtsein Feige macht. der Entschließung entgegensteht und an Unternehmungen hindert. Das ganze bezieht er nun noch auf seine eigene Person. Er zweifelt an der Vernunft, die ihn hindert sich zu entscheiden, etwas zu tun. (z.B. Blutrache an Claudius üben) Also folgt für ihn, nicht mehr auf die Vernunft zu achten, ihre Einwände bestreiten und nur reinen Gefühlen zu folgen.
Bei der Betrachtung des Monologes darf man meiner Meinung nach nicht außer acht lassen, daß Hamlet einige, für einen Prinzen ungewöhnliche Dinge äußert. Er klagt die gesellschaftlichen Zustände an und verurteilt sie mit scharfen worten:
"Denn wer ertrüg´ der Zeiten Spott und Geißel,
Des Mächt`gen Druck, des Stolzen Mißhandlungen,
Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub,
Den Übermut der Ämter, und die Schmach,
Die Unwert schweigendem Verdienst erweist..."
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