Re: Oh! She doth ...
[ http://william-shakespeare.de - Das Forum ] Geschrieben von konstantin am 29. Mai 2000 08:26:58:
Als Antwort auf: Re: Oh! She doth ... geschrieben von Jürgen M. Brandtner am 28. Mai 2000 15:07:05:
hi jürgen
nur 2 kleine anmerkungen zu eurem "Expertengespräch" (bin selbst bei R&J nicht so fit ;-))
>Brasch ist Schriftsteller und Theatermann. Er hat fürs Theater übersetzt.
wahrscheinlich ist das mit ein grund dafür, daß claus peymann, den ich genauso wie brasch für einen vollblut-theatermann halte, bei seinen wiener inzenierungen von richard 3 und dem stück, dessen titel man nicht aussprechen darf (sorry, aber da bin ich abergläubisch und sage deshalb nur "Schottland") die übersetzungen von brasch verwendet hat. beim schotten-stück hat peymann übrigens die pfötnertexte von peter turini nachdichten lassen, was deinen überlegungen weiter unten enspricht, von wegen liedtexte usw.
was brasch übrigens bei shakespeare (soweit ich ihn da kenne) sehr gut gelungen ist, ist ihm meiner meinung nach bei tschechow (neben/nach shakespeare einer der größten der großen!) alle andere als geglückt. was ich mich so an die übersetzung vom kirschgarten erinnere (ist schon 'ne weile her, daß ich sie gelesen habe), fehlt seiner "nachdichtung" genau das, was tschechow für mich ausmacht, nämlich die leisen zwischentöne. da kommt mir brasch bei seiner bearbeitung meistens etwas zu derb und "polternd" - was sicher auch manche leute vor seinen shakespeare-übersetzungen zurückschrecken läßt.>(Auf die Spitze trieb das später im 18. JH das Duo John Gay/Christopher Pepusch in The Beggars Opera, in der es nur bekannte (oder fast nur?) Lieder gab, denen neue Texte unterlegt wurden.)
das hatte in diesem fall aber auch methode. denn bei der beggar's opera sollte man meiner Meinung nach nicht unerwähnt lassen, daß sich gay/pepusch damit ganz bewußt über den stil der opera seria von g.f. händel lustig gemacht haben, was ja in folge auch dazu führte, daß es mit der von händel gegründeten "Royal Academy of Music" nach gerade mal 11 jahren aus und vorbei war - sehr zur freude von gay/pepusch, wenn man den berichten glauben darf. kein wunder also, daß brecht auf die beggar's opera zurückgegriffen hat, um das musiktheater seiner zeit zu "stürzen".
was den bekanntheitsgrad der lieder bei gay/pepusch angeht: wenn ich mich recht erinnere, ist das einzige stück, das pepusch "selber" geschrieben hat, die ouverture, alles andere war bekannt, so zum beispiel auch ein marsch aus "rinaldo", händels durchbruch als opernkomponist in london. wen wundert's ;-)grüße aus wien
konstantin